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Haus Huckfeld Foto: S.S.R.
Sabine Schulz-Rakowski u. Jochen Moritz

4. Oktober 2022: Zu Besuch im Fördern & Wohnen Haus Huckfeld in Hittfeld

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Das F&W Haus Huckfeld besteht seit fast 150 Jahren und hat als soziale Institution eine wechselvolle Geschichte vorzuweisen. Seit 1986 bietet es Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ein Zuhause.

Zur Einrichtung gehören eine Wohngemeinschaft im Weg zur Mühle in Hittfeld, eine Tagesstätte sowie ein Apartmenthaus in Wilhelmsburg, in dem die Klienten zur Miete wohnen und ambulant betreut werden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Wohnformen sind fließend, entsprechend den persönlichen Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner und ihren Fähigkeiten. Die Betreuung findet ganzheitlich rund-um-die-Uhr statt.

Seit dem 1. Juli ist die Leistungsträgerschaft von Hamburg nach Niedersachsen gewechselt. Neben Angeboten für wesentlich geistig und körperlich behinderte Menschen im Erwerbsalter, bietet die Einrichtung seit diesem Zeitpunkt auch eine Tagesstruktur für Menschen mit Behinderung im Seniorenalter an, wie der Bereichsleiter Jochen Moritz erläuterte. „Dies ist wichtig, um Menschen mit Behinderung auch in dieser sogenannten dritten Lebensphase eine sinnstiftende und zufriedenstellende Beschäftigung zu ermöglichen“.

Haus Huckfeld Foto: S.S.R.
Sabine Schulz-Rakowski u. Jochen Moritz

Auf meine Nachfrage, ob auch hier der Fachkräftemangel schon angekommen sei, wurde berichtet, dass es schwieriger geworden wäre, freie Stellen zu besetzen, aber Fördern & Wohnen Studierenden und Schülern der Heilerziehungspflege duale Ausbildungsplätze anbiete, um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Auch sei die Einrichtung offen für Praktika und Freiwillige des Sozialen Jahres. „Gerade bei jungen Menschen kann sich aus einer solchen Tätigkeit die Entscheidung für einen sozialen Beruf entwickeln“, wie Herr Moritz darstellte.

Ein wichtiger Ansatz im F&W Haus Huckfeld ist, dass alle Menschen einer festen Beschäftigung nachgehen. Menschen mit Behinderung finden inzwischen eine sehr ausdifferenzierte Beschäftigungslandschaft vor, sei es in Werkstätten für behinderte Menschen, in der Arbeitsassistenz auf dem freien Arbeitsmarkt oder auch in der F&W Tagesstätte Huckfeld. „Ziel ist es, für alle nach ihren Möglichkeiten und Interessen eine Aufgabe und Beschäftigung zu finden“, erklärte mir Herr Moritz.

Haus Huckfeld Foto: S.S.R.

Ein wichtiges Anliegen in der Betreuungsarbeit im Haus Huckfeld ist die sozialräumliche Ausrichtung der Angebote. Dies wird durch Kooperationen mit Sportstätten, der Volkshochschule und anderen Unterstützern realisiert. So trainieren einige Klienten in der Kletterhalle von Blau-Weiß-Buchholz oder spielen Handball oder Fußball in inklusiven Teams.

Auch im kulturellen Bereich ist das F&W Haus Huckfeld in verschiedenen inklusiven Projekten aktiv. Menschen mit und ohne Handicap malen im „Farbwelten Atelier Huckfeld“, proben als „Kellerkünstler“ gemeinsam Theater oder tanzen im Tanztheater „Locavida“ und zeigen ihre Ergebnisse auch in der Öffentlichkeit. So hat LocaVida am Wochenende in Lüneburg bei einem Auftritt im Rahmen des inklusiven Solidaritätslauf mitgewirkt.

„Der Auftritt der Tänzer in Lüneburg war trotz Nieselregen ein voller Erfolg und wurde begeistert aufgenommen“, merkte Frau Bianca Ritter (Sozialraumkoordinatorin im F&W Haus Huckfeld) an. Die inklusive, kulturelle Arbeit im F&W Haus Huckfeld wird vom Freundeskreis Huckfeld e.V. unterstützt, dessen Vorsitzender der ehemalige Bürgermeister von Seevetal, Günter Schwarz, ist.

Bewohnerinnen, Bewohnern sowie Gästen steht im Treffpunkt Huckfeld ein Ort der Begegnung zur Verfügung. An diesem Ort können Klientinnen, Klienten und Gäste ihre Freizeit verbringen, feiern, soziale Kontakte pflegen, kulturelle und Bildungsangebote nutzen oder sich im Sonntagscafé treffen. Zurzeit findet dort eine Kunstausstellung des „Farbwelten Atelier Huckfeld“ statt. Daneben sind dort die handwerklichen und kreativen Produkte der Tagesstätte Huckfeld ausgestellt, welche regelmäßig auf Kunstmärkten oder im Rahmen von anderen Veranstaltungen verkauft werden.

Haus Huckfeld Foto: S.S.R.

Herr Michael Mense (Teamleiter) zeigte mir bei meinem Besuch im F&W Haus Huckfeld einen Wohnbereich: Es gibt für jede Wohneinheit eine Küche zur Selbstversorgung, in der am Wochenende gemeinsam gekocht und gegessen wird. Auch hier ist jeder mit seinen Fähigkeiten dabei und kann sich einbringen. Die Zimmer der Bewohner*innen haben große Fenster und hohe Decken – sie werden von ihnen so gestaltet, wie sie es brauchen und möchten; denn es ist ihr Zuhause. Außerdem stehen alle notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung, um eine gute und umfängliche Fürsorge gewährleisten zu können.

Im Haus Huckfeld finden Menschen mit Behinderung nicht nur eine Rundum-Betreuung vor, sondern ein wirkliches Zuhause. (ml)

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