Zum Inhalt springen
Sabine Schulz-Rakowski, Tobias Handtke, Michael Cramm Foto: S.S.R.

22. September 2022: Was in der Welt passiert, hat Auswirkungen auf uns, auch in Neu Wulmstorf!

SPD-Landtagskandidatin Sabine Schulz-Rakowski und SPD-Landratskandidat Michael Cramm im Gespräch mit Neu Wulmstorfs Bürgermeister Tobias Handtke.

Mit der Bemerkung „Was in der Welt passiert, hat Auswirkungen auf uns“, begrüßte Tobias Handtke, Neu Wulmstorfs Bürgermeister, seine Gäste Sabine Schulz-Rakowski, Kandidatin im Wahlkreis 51 für den Niedersächsischen Landtag, sowie Michael Cramm, der für die Wahl als Landrat im Landkreis Harburg antritt. Die Kandidatin hatte um dieses Gespräch gebeten, um sich über die soziale Lage vor Ort zu informieren. Der Rundgang startete aus aktuellem Anlass gegenüber dem Rathaus.

Tobias Handtke, Michael Cramm, Sabine Schulz-Rakowski Foto: S.S.R.
v.l. Tobias Handtke, Michael Cramm, Sabine Schulz-Rakowski

Die Unterkunft für Geflüchtete beherberge inzwischen 290 Menschen, vor allem Frauen und Kinder aus der Ukraine, beschrieb Handtke die Belegung im Haus. Neu Wulmstorf habe damit seine Zuweisungsquote erreicht. Das Haus sei vorteilhaft, „weil es uns gelungen ist, alle in einem geeigneten Gebäude in einzelnen Zimmern unterzubringen“. In anderen Kommunen müssten indes Vorkehrungen getroffen werden, auch Schulturnhallen als vorübergehende Unterkünfte vorzubereiten. Dem Landkreis werden weiterhin jede Woche zwei Mal 25 Personen zur Unterbringung zugewiesen. Auch im Nachhinein bleibe erkennbar, dass Neu Wulmstorf „in der Krise vorangegangen“ sei. Man habe rechtzeitig erkannt, welche Anforderungen auf die Kommunen zukamen. So war es eine gute Idee, sofort beispielsweise Schutzmatten für Fußböden zu bestellen, eine Gruppe von hilfsbereiten Bürger*innen und Gewerbetreibenden zu organisieren und das Gebäude gegenüber dem Rathaus zunächst als Impfstation und nun als Unterkunft anzumieten. „Die Situation im Haus ist nicht einfach“, weiß Sabine Schulz-Rakowski bereits von ihrem Informationsbesuch dort vor einigen Tagen. Die Arbeit der Johanniter verdiene große Anerkennung. Michael Cramm betonte ebenfalls aus seiner Erfahrung als Bürgermeister in Tespe: „Das Schwierigste ist, den inneren Frieden zu gewährleisten, auch im Zusammenspiel mit den Anwohnern.“ „Denn gerade in Kriegszeiten“, so Tobias Handtke, „kommen eben nicht nur die mit dem Heiligenschein zu uns.“ Es sei eine große Herausforderung für das professionelle Betreuungspersonal, damit richtig umzugehen, was bisher auch zufriedenstellend gelinge.

Sabine Schulz-Rakowski, Tobias Handtke, Michael Cramm Foto: S.S.R.
v.l. Sabine Schulz-Rakowski, Tobias Handtke, Michael Cramm

Der Rundgang führte weiter zum Schulzentrum, vorbei an der Schwimmhallte, die bis zum Frühjahr 2023 wieder die Möglichkeit zum Schulschwimmen anbieten wird. Beim Vorbeigehen am Gymnasium berichtete Sabine Schulz-Rakowski, dass sie dort in einigen Tagen an einer Podiumsdiskussion teilnehmen werde und sich schon sehr darauf freue. Zwar ist sie als Sozialpädagogische Assistentin (SPA) beruflich mit kleineren Kindern im Kita-Alter befasst, will aber Bildung insgesamt zu ihrem Schwerpunktthema im Landtag machen. Neu Wulmstorf sei ein gutes Beispiel, meinte sie, „dass es möglich ist, eine Gemeinde zur Bildungs-Kommune zu entwickeln“. Nicht ohne Stolz erklärte Tobias Handtke dann auch den Neubau der Grundschule. Diese ist als Multifunktionsbau konzipiert, wird Ganztagsschule mit fünf sogenannten Zügen sein, eine große Feld-Sporthalle bieten sowie einen Multifunktionsraum im Zentrum, wo Veranstaltungen mit bis zu 400 Gästen möglich sein werden. „Das ist unsere große Herausforderung im Augenblick“, fuhr er fort, „zumal auch die anderen Schulen im Ort teilweise Sanierungsbedarf haben werden.“ Auch hier müsse man weitsichtig planen, sagte er, so dass alle Kinder immer gut untergebracht und unterrichtet werden können. So habe man vorgesehen, dass die Küche im neuen Gebäude die anderen Schulen und teilweise die Kitas im Ort mit frischem Mittagessen versorgen werde. Ein gemeinsames Anliegen von Schulz-Rakowski, Cramm und Handtke ist noch etwas anderes. Die Coronazeit habe gezeigt, dass es dringender denn je sei, die Schulen mit ausreichender Schulsozialarbeit auszustatten. Bisher gebe es dies in kommunaler Projektfinanzierung. Die Fachfrau Schulz-Rakowski weiß, dass erst eine Regelfinanzierung durch das für Bildung zuständige Bundesland die nachhaltige sozialpädagogische Hilfe für die Kinder und Jugendlichen sicherstellt.

Handtke geht noch weiter und sieht das Land in der Verpflichtung: „Dies ist ein elementarer Bestandteil des Schullebens und darf keine freiwillige Aufgabe für die Kommunen bleiben.“ Auch dieser Arbeitsmarkt klagt über Fachkräftemangel, was Bürgermeister Handtke dazu bringt, den aus seiner Sicht notwendigen Weg für die Zukunft so zu beschreiben: „Wir brauchen noch mehr Anstrengungen bei der interkommunalen Zusammenarbeit.“

Baustelle Neu Wulmstorf Foto: S.S.R.

Die letzte Station des Rundgangs führte zur Bahnhofstasse, die in den nächsten Monaten zur sogenannten Wirtschaftszone umgebaut werden soll. Auch Verkehrslagen können zu sozialen Fragen werden, ist die Erkenntnis der Gäste. Die Bahnhofstraße ist Geschäftszentrum, Schulweg, Fußweg und Busfahrtstrecke zum S-Bahnhof sowie Durchgangs- und Wohnstraße zugleich. Außerdem stehe die Öffnung der Autobahn 26 bevor, wodurch zusätzlicher Verkehr zu erwarten sei. Alle diese Interessenlagen unter einen Hut zu bringen, sei eine schwer lösbare Aufgabe, erklärte der Bürgermeister. „Es kommt auf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer genauso an wie auf die Möglichkeit für das Gewerbe, hier ihre wirtschaftliche Zukunft zu behalten sowie auch darauf, die Bürgerinnen und Bürger vor unzumutbaren Belastungen zu schützen.“ Das soll in den nächsten Monaten damit erreicht werden, die Bahnhofstraße neu zu gestalten und die Geschwindigkeit für den Autoverkehr drastisch zu reduzieren. Ein Zweck des Umbaus sei auch, den Durchfahrtverkehr auf die B3-Umgehungsstraße zu lenken. „Es wird mehr Raum für das Zusammenleben geben“, erklärte er den Gästen. Die Kommune habe Förderanträge für den Umbau gestellt. „Das ist eine komplizierte Sache“, ergänzte er mit vielsagendem Gesicht, „als Kommunalvertreter würde ich mir wünschen, dass die übergeordneten Stellen mehr Vertrauen in die kommunale Kompetenz setzen würden.“ Man könne sich gar nicht vorstellen, was alles an Voraussetzungen nachzuweisen sei, um so eine Förderung zu bekommen. „Aber ohne diese geht es hier halt nicht.“ Die Kommune müsse derzeit viele Aufgaben zugleich stemmen. Er setze daher auch auf die gute Zusammenarbeit mit den politischen Ebenen in Niedersachsen. Es sei wichtiger, dass das Argument entscheide, nicht wer es vorträgt. „Das erfordert mehr Vertrauen in die Praktiker vor Ort“, ergänzte Michael Cramm. Schulz-Rakowski, Cramm und Handtke waren sich darin einig, dass die hohe Eigenverantwortung und deren in der Regel sehr qualifizierte Ausführung mehr Anerkennung verdiene. Die Gäste verabschiedeten sich mit der Verabredung, den Gesprächsfaden später wieder aufgreifen zu wollen. (hb)

Vorherige Meldung: Den Landkreis Harburg als Basis für gutes Leben weiterentwickeln

Nächste Meldung: 50 Jahre Gebietsreform - 50 Jahre gemeinsam

Alle Meldungen