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Hanna Naber Podiumsdiskussion am 12.08.22, um 17 Uhr, in Winsen Foto: Michael Cramm

18. August 2022: Podiumsdiskussion mit Hanna Naber zur Hausärztlichen Versorgung

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) hatte am 12.08.2022 zur Podiumsdiskussion in Winsen eingeladen.
Diskutiert wurde über die Hausärztliche Versorgung im Landkreis Harburg.

Auf dem Podium waren:

  • Hanna Naber, MdL, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit im Niedersächsischen Landtag und Generalsekretärin der SPD-Niedersachsen
  • Norbert Eckhardt, Hausarzt aus Neu Wulmstorf
  • Sabine Lehmbeck SPD-Landtagskandidatin
    Wahlkreis 50 (Winsen, Stelle, Elbmarsch, Hanstedt, Salzhausen)

Der Saal im Marstall war trotz hochsommerlicher Temperaturen gut besetzt.
Im Publikum vertreten waren auch die beiden anderen SPD-Landtagskandidatinnen
Steffi Menge
Wahlkreis 52 (Buchholz, Hollenstedt, Jesteburg, Tostedt) und
Sabine Schulz-Rakowski
Wahlkreis 51 (Seevetal, Neu Wulmstorf, Rosengarten) sowie
Michael Cramm
SPD-Landratskandidat für den Landkreis Harburg.

Nach einer kurzen Begrüßung der Gäste übergab Birgit Eckhoff von der ASF das Podium an Sabine Lehmbeck. Die Landtagskandidatin Sabine Lehmbeck verwies in ihrem einleitenden Beitrag auf die derzeit generell schlechte Erreichbarkeit der Hausärzte vor Ort und auf die langen Wartezeiten in überfüllten Praxen.

Im Anschluss übernahm die Generalsekretärin Hanna Naber und gab einen kurzen Abriss über die Entwicklung und den aktuellen Stand der hausärztlichen Versorgungssituation im ländlichen Raum. Dabei legte sie den Schwerpunkt ihrer Ausführungen auf die Arbeit einer Enquetekommission, welche ihre Untersuchungen 2019 begonnen hatte, über zwei Jahre lang getagt hat und schließlich zu einem einstimmigen Beschluss gekommen ist. Mitglieder dieser Kommission waren neben Vertretern aus der Politik, Experten aus der Wissenschaft, Abgesandte der Krankenkassen sowie aus anderen sozialen Spitzenverbänden. Die Ergebnisse liegen jetzt vor – nachzulesen in einem ca. 300 Seiten umfassenden Bericht.

Der fundierte Fachvortrag hat Eindruck hinterlassen und nach Ergänzung durch den praktizierenden Hausarzt Norbert Eckhardt wurde deutlich, dass eine flächendeckende Versorgung der Menschen das Ziel sein muss. Diese wird im ländlichen Raum datenmäßig nicht unbedingt real erfasst; denn es geht hier nicht nur um eine quantitative, sondern vor allem auch um eine qualitative Abdeckung durch das ärztliche Versorgungsangebot.

Bei der Diskussionsrunde zeigte sich: Der Ablauf in einer Landarztpraxis wirft etliche Fragen auf – wie kann eine Verschlankung der Tätigkeiten erreicht werden, was sollte vorrangig vom Arzt/ der Ärztin durchgeführt werden oder wo kann eine Entlastung durch ein Team von Assistenten stattfinden, das zusätzlich geschult wird, und wer übernimmt dann die Kosten? Hier sind einige Lösungen bereits umgesetzt worden, wie der Hausarzt Norbert Eckardt berichtete. Auf die Frage der Landtagskandidatin Sabine Schulz-Rakowski erläuterte er das System „VERAH“ als „Versorgungsassistent/in in der Hausarztpraxis“: „Das sind erfahrene Medizinische Fachangestellte, die sich über eine hochqualifizierte Weiterbildungsmaßnahme fortgebildet haben. VERAH übernehmen arztentlastende, delegierte Aufgaben und unterstützen dadurch die Sicherstellung einer umfassenden Patientenbetreuung.“ Auf die Nachfrage von Schulz-Rakowski, wie sich die extra-Schulung für ihn denn lohne, lautete die Antwort von Eckardt, dass sich dieser Einsatz schon durch den erreichten zusätzlichen Freiraum/ mehr Zeit für andere und neue Patienten auf jeden Fall auszahle und im Endeffekt auch refinanziere.

In diesem Zusammenhang muss auch der wachsende Anteil einer älteren Generation in unserer Gesellschaft berücksichtigt werden – er bringt neue Herausforderungen mit sich: Hohe Erwartungen und besondere Bedürfnisse, hinsichtlich einer umfassenden Erreichbarkeit und Fürsorge vor Ort. Meist ist die eigene Mobilität eingeschränkt und es fehlt oft die Unterstützung durch die Familie.

Hier greift die Reform durch das System „VERAH“ erneut – es sorgt für eine:

  • Entlastung des Hausarztes bei hochqualifizierten Tätigkeiten,
  • Betreuung der Patienten durch vertrautes Praxispersonal,
  • Stärkung der Hausarztpraxis als zentraler Ort der Versorgung,
  • Steigerung der allgemeinen Berufszufriedenheit.

Das könnte auch ein Anreiz für junge Ärztinnen und Ärzte sein, sich im ländlichen Raum niederzulassen, wenn sie bereits während ihres Studiums die reformierten Landarztpraxen durch entsprechende Praktika vor Ort kennengelernt haben. An der Universität Oldenburg läuft schon jetzt ein neuer Studiengang, der in dieser Hinsicht breit gefächert ist und in einem frühen Stadium praxisbezogene Ausbildungsphasen für die Studierenden anbietet.

Fazit: Gefordert wird eine umfassende und nachhaltige ärztliche Versorgung für die Menschen vor Ort – sowohl im Bereich der Allgemeinmedizin als auch bei den Fachärzten; d. h., keine weitere Privatisierung im Sinne von Kommerzialisierung – das ärztliche Versorgungsangebot muss Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sein und bleiben. Hier könnten in den Kommunen regionale Gesundheitszentren mit Unterstützung aus Landesmitteln eingerichtet werden, die in ihrer Trägerschaft bei sozialen Spitzenverbänden angesiedelt sind oder auch bei Genossenschaften – die Gemeinnützigkeit muss dabei im Vordergrund stehen.

In diesem Zusammenhang hat die Enquetekommission zwischenzeitlich acht neue Versorgungseinheiten aufgestellt, statt der ursprünglich vorhandenen vier.

Für die Politik zeichnet sich in der neuen Legislaturperiode nach der Wahl die Bewältigung eines umfangreichen Aufgabenfeldes in diesem Bereich ab. (ml)

Hausärztliche Versorgung im Landkreis Harburg  Podiumsdiskussion am 12.08.22, um 17 Uhr, in Winsen Foto: Michael Cramm

v.l.: Hanna Naber, Sabine Schulz-Rakowski, Michael Cramm, Steffi Menge, Sabine Lehmbeck

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