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SPD-Kandidaten Heidewasser Foto: S.S.R.

5. Oktober 2022: Normal, dass es mal austrocknet. Aber wie weit reicht das Heide-Wasser?

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SPD-Landtagskandidatinnen im Gespräch mit Heidefachleuten und Umweltpolitik.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) war im Auto schon fast da, um der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) nach Undeloh zu folgen. Initiatorinnen des Gesprächs waren die drei SPD-Landtagskandidatinnen der Wahlkreise 50, 51 und 52 im Landkreis Harburg, Sabine Lehmbeck, Sabine Schulz-Rakowski und Steffi Menge. Die Zukunft des Heidewassers stand auf dem Gesprächsplan. Leider kam der Beratungsbedarf dazwischen, den die drei Lecks in den Ostsee-Pipelines erzeugt hatten. Lies musste umkehren und in Hannover an der Beratung zur aktuellen Energiekriese teilnehmen. Dennoch war der Termin mit Marc Sander, dem kaufmännischen Leiter der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP), sowie mehreren Heidefachleuten sehr aufschlussreich.

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Brisant ist die Frage, wer das Heide-Wasser abzapfen darf und wieviel, schon seit langem. Gerade in der derzeitigen Trockenperiode stellten viele sich diese Frage neu. Auch die Kandidatinnen haben sich im Falle ihres Wahlerfolgs ausdrücklich die regionale Vertretung ihrer Heimat in der Landtagspolitik auf die Fahnen geschrieben. Da die hohe Wasserentnahme, unter anderem durch die Hansestadt Hamburg, eine Frage ist, die nicht auf lokaler Ebene allein entschieden werden kann, tun sie sich hier mit Michael Cramm zusammen, der als künftiger Landrat im Kreis Harburg für die SPD kandidiert. „Wasserversorgung ist eine Mammutaufgabe“, kommentiert die ASF-Vorsitzende im Landkreis, Birgit Eckhoff, die Initiative. Richtig zufriedenstellend beantwortet werden konnte die Ausgangsfrage aber nicht.

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Marc Sander erläuterte im Undeloher Heide-Erlebniszentrum die geografischen Gegebenheiten: „In der Heide stammt das Grundwasser aus einem unterirdischen Reservoir, das aus Niederschlägen gespeist wird. Bis der Regen dort ankommt, dauert es Jahre. Beim Versickern durchläuft er verschiedene Bodenschichten, die das Niederschlagswasser filtern. Der Vorteil unseres Heidebodens: Er enthält kaum Kalk, deshalb ist das Wasser in der Region von besonders guter Qualität.“ Noch sei nicht festzustellen, dass die Grundwassermenge abnehme. Bei einer kurzen Rundfahrt durch die umgebende Heidelandschaft und zu dem Bachlauf des Radenbachs erläuterte er aber, dass der Klimawandel seine Spuren hinterlasse. Trockenperioden waren auch in der Vergangenheit vorhanden, aber nicht über so lange Zeitphasen und nicht mit extremen Hitzeereignissen kombiniert. So fielen viele Kleinstgewässer und kleine Quellbäche über Wochen trocken. Wenn hier das Wasser fehle, so könne auch nichts in das Grundwasser durchsickern. Aber da das sehr lange dauere, seien noch keine direkten Rückschlüsse auf die Grundwassermenge möglich. Die Frage scheine also in die Zukunft verschoben zu sein. Erst dann könne man wirklich sagen, was die Folgen sind. Konkreter wird die Sorge um das Wasser, wenn es um die Qualität in Bezug auf die Schadstoffeinträge aus der Luft geht. Ein Problem seien beispielsweise der Stickstoff, der aus Düngung, Industrie- oder Autoabgasen, Abwässern oder Oberflächenwasser eingetragen wird.

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Die Schäferin Andrea Herold erklärte, dass der Heidelandschaft eine besonders hohe Bedeutung für die Grundwasserneubildungsrate sowie für die Grundwasserqualität zukomme. Hier kommen dann die Heidschnucken ins Spiel, welche die Heideflächen von Gras und unerwünschten Schösslingen freihalten. Das sei aber nicht nur eine Frage für den Heidetourismus. „Indem die Tiere nachts in die Einfriedungen oder Ställe gebracht werden und dort auch ihre Ausscheidungen hinterlassen, sorgen sie für den Abtransport von Stickstoff und CO2 aus der Heidelandschaft.“ Die magere Bodenbeschaffenheit wiederum ist die Grundlage der Heidelandschaft. Würde die Fläche nicht beweidet, so wäre sie in wenigen Jahren zugewachsen. Da auch hier alles mit allem zusammenhängt, wie in der Umweltpolitik gern angeführt wird, müsse die Heidelandschaft erhalten bleiben, um die unglaubliche Artenvielfalt bewahren zu können, berichtete Sander. In der Lüneburger Heide gibt es immer noch 800 bis 1000 endemische Tierarten, die seit der Eiszeit hier überlebt haben. Für sie ist der Erhalt der etwa 4.000 Jahre alten Heidelandschaft überlebenswichtig.

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Womit die Diskussionsrunde wieder bei der Stiftungsaufgabe des VNP ankam. Gefragt nach seinen wichtigsten drei Punkten erläuterte Sander als erstes die nachhaltige Sicherung von Fördergeldern. Ohne diese wäre die Lüneburger Heide auf Dauer nicht mehr zu erhalten, jedenfalls nicht unter den heutigen ökonomischen Bedingungen. Um nachhaltige und extensive Landwirtschaft zu betreiben, mit der die notwendige Bewahrungsarbeit erbracht werden kann, müssen die Schäfereien, Landwirte und Umweltschützer finanziell gefördert werden. Vom eigenen Arbeitsertrag allein könne man heute nicht mehr leben, ergänzte Herold. So erbringe eine Heidschnucke lediglich dreißig Prozent verwertbares Fleisch. Die Wolle könne in Deutschland nicht vermarktet werden, sie habe keine Chance gegen Importe aus Neuseeland und Australien. Sanders zweites großes Thema war die Schutzgebietsbetreuung, welche neben der Pflege- und Entwicklungsplanung vor allem die Artenumfassung und die Umweltbildung beinhaltet, ganz nach dem Motto: „Ich kann nur das schützen, was ich auch kenne!“. Als drittes Thema führte er die Wasserwirtschaft an. Wenn wegen des Klimawandels die Regenmengen variieren, müsse man mindestens dafür sorgen, dass der Regen für das Grundwasser nutzbar gemacht werde. Dazu gibt es verschiedene geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel standortgerechten Waldumbau, den landwirtschaftlichen Anbau von Zwischenfrüchten auf dem Acker, die Moorrenaturierung und eben die Heidepflege.

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Aus Sicht der SPD-Kandidatinnen sei die Verfügbarkeit von sauberem Wasser eine lokale und eine internationale Frage zugleich. Sabine Schulz-Rakowski fasste die Diskussion so zusammen: „Die Angst um das Wasser macht deutlich, dass unsere Industriegesellschaft im Moment das bekommt, was sie durch ihr wenig schonendes Handeln gegenüber unseren Ressourcen sozusagen selbst verursacht hat. Wir müssen nicht nur den Wert der Natur wieder schätzen lernen. An der aktuellen Energiekrise wird deutlich, dass wir uns mit ihr besser als bisher arrangieren müssen.“ Ein wahres Wort zum Schluss, sagt dazu die Autorin. (hb)

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