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Stephan Weil u. Sabine Schulz-Rakowski Ginsterhof Foto: S.S.R.

27. August 2022: Ministerpräsident Weil: Psychosomatische Medizin ist wichtig für eine gute ganzheitliche Gesundheitsversorgung

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kam am 20.8.2022 zu einem Informationsbesuch in das Ev. Krankenhaus Ginsterhof in Tötensen, Gemeinde Rosengarten.

Eingeladen hatte SPD-Landtagskandidatin Sabine Schulz-Rakowski. „Die Psychosomatische Fachklinik Ev. Krankenhaus Ginsterhof ist eine wichtige und bedeutende Einrichtung für die Gesundheitsversorgung im Landkreis Harburg und weit darüber hinaus“, begründete sie ihre Initiative. „Durch die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Zeit leiden neben Erwachsenen auch Kinder und Jugendliche unter dem fehlenden sozialen Austausch“, merkte Schulz-Rakowski an.

Stephan Weil u. Sabine Schulz-Rakowski Ginsterhof Foto: S.S.R.
v.l. Kathrin Großmann, Stephan Weil, Sabine Schulz-Rakowski

Diese Feststellung bestätigte Chefärztin Dr. Haberer. Die Nachfrage nach stationären Behandlungsplätzen sei mit der Pandemie gestiegen. „Wir machen den Menschen wieder Mut“, fasste sie die Arbeit ihres Teams zusammen. Die Behandlung biete neue „Werkzeuge“ an, um mit persönlichen Krisen, wie z.B. Verlusterlebnissen, Gewalterfahrungen oder auch mit chronischen Schmerzen besser umgehen zu lernen. Einen der Behandlungsschwerpunkte im Krankenhaus Ginsterhof bildet in beiden Abteilungen z.B. die Behandlung Jungerwachsener zwischen 18 und Mitte 20, deren psychische Entwicklung auf so brüchigem Boden abläuft, dass sie mit ihrer fragilen innerseelischen Ausstattung nicht gut „ins Leben“ zu kommen vermögen.

Patientinnen und Patienten könnten durch die stationäre Behandlung durch ein multiprofessionelles Team wieder gestärkt werden, führte Dr. Haberer aus. Oft haben Betroffene keine Worte für ihre sozialen Leiden und persönlichen Empfindungen. Hier setzen dann unterschiedliche Therapieformen an. Grundsätzlich basiert sie im Krankenhaus Ginsterhof auf einem psychodynamischen Theoriekonzept, dass sich auf der Grundlage der Psychoanalyse entwickelt und von dieser abgeleitet hat.

Neben Einzel- und Gruppentherapiegesprächen sind z.B. auch Kunst- und Musiktherapie, sowie das Erlernen von Entspannungstechniken wichtige Behandlungsbausteine, um die Therapie nachhaltig wirksam werden zu lassen. Dies wird in Nachuntersuchungen und Katamnesestudien regelmäßig bestätigt.

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Dr. med. Helmut Teller, Sabine Schulz-Rakowski

Sabine Schulz-Rakowski zeigte sich beeindruckt von dem umfangreichen ganzheitlichen Therapie-Angebot in der psychosomatischen Behandlung der Klinik; für dieses Konzept sei der Ginsterhof unter medizinischen Fachleuten landkreisweit hoch anerkannt, betonte sie.

Anders als die medizinische Landschaft im Landkreis Harburg, hat der Ginsterhof bislang keine ärztlichen oder pflegerischen Nachwuchssorgen. Unter anderem könne hier die Facharztausbildung vervollständigt werden. Die Anzahl der Bewerber sei bisher meist größer als die jeweiligen Stellenangebote.

Derzeit werden 140 Patientinnen und Patienten stationär behandelt sowie 20 in der angeschlossenen Tagesklinik. Beim Rundgang über das grüne Gelände vergisst man aber beinahe, dass der Ginsterhof ein Krankenhaus ist. Die neunzigjährige Geschichte des Hauses ist an den unterschiedlichen Baustilen der Patienten- und Behandlungshäuser abzulesen. Ein Erweiterungsbau ist derzeit in Arbeit, der in drei Stationen Platz für weitere 60 Betten sowie Therapie- und Gruppenräume bringen wird. Ministerpräsident Weil verschaffte sich mit der Besichtigung des Neubaus einen Eindruck darüber, wie fortschrittlich moderne Klinikräume entwickelt werden können. Der Geschäftsführer des Krankenhauses Dr. Kuhnigk kündigte gleichzeitig an, dass ab dem nächsten Jahr Sanierungen anstünden, für die das Haus auf eine auskömmliche Landesförderung setze.

Auf die besondere Stellung des gemeinnützig arbeitenden Ginsterhofs in einer kommerzialisierten Gesundheits-Landschaft ging der Vorsitzende des Trägervereins Dr. Wedel ein. Er dankte Ministerpräsident Weil für die verlässliche Landesförderung, mit der auch der Erhalt der Trägervielfalt gewährleistet werde. Aus dem ursprünglichen „Gesundheitswesen“ sei inzwischen eine „Gesundheitsindustrie“ geworden. Die zum Teil zweistelligen Gewinnerwartungen von Investoren in der Gesundheitswirtschaft könnten bei kommerziell geführten Krankenhäusern verhindern, dass das erwirtschaftete Geld wieder in die Gesundheitsversorgung fließe.

Stephan Weil u. Sabine Schulz-Rakowski Ginsterhof Foto: S.S.R.
v.l. Sabine Schulz-Rakowsi, Stephan Weil, Dr. Wedel und Dr. Kuhnigk

Aber auch für gemeinnützige Häuser wie das Ev. Krankenhaus Ginsterhof sei es heute wie früher selbstverständlich, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen kosteneffizient zu arbeiten. Indem aber deren Ergebnisse in den Betrieb zurückfließen, sei es bisher gelungen, die Behandlung vollumfänglich an dem gesundheitlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten auszurichten.

Allerdings falle das dem Team nicht immer leicht, wenn es neben der Behandlung zusätzlich den zahlreichen neuen Dokumentations- und Abrechnungsverpflichtungen nachkommen müsse. Hier gebe es dringenden Reformbedarf.

Eine übermäßige Kommerzialisierung im Gesundheitswesen müsse als sehr problematisch angesehen werden, stimmte der Ministerpräsident zu. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass bei der Behandlung von Kranken Maßstäbe aus der Industrie in der freien Wirtschaft angewendet würden. Gleichzeitig wies er aber darauf hin: Diese Situation sei entstanden, weil zahlreiche private Träger und auch Kommunen in der Vergangenheit durch einen Verkauf der Krankenhäuser ihren Einfluss aufgegeben hätten. Durch hohe Renditeerwartungen entstehe somit ein Kostendruck, der sich wiederum auch auf andere Häuser in dem Bereich ausweiten könne. Diese Entwicklung müsse kritisch im Blick behalten werden, betonte Stephan Weil. In diesem Zusammenhang solle noch in dieser Legislaturperiode von den Bundesländern eine entsprechende Prüf-Initiative auf den Weg gebracht werden.

Auch wenn das deutsche Gesundheitswesen große internationale Anerkennung erfahre, müsse in der Politik darauf geachtet werden, die Fördergelder gezielter zu verteilen. Eine Unterstützung von Einrichtungen wie dem Krankenhaus Ginsterhof, so Weil, sei auch weiterhin zu befürworten, insbesondere, weil man so in dem Bereich zusätzliche Investitionssummen anlocken könne.

Abschließend betonte er, wie wichtig die Psychiatrie und Psychosomatik für eine gute medizinische Versorgung bleibe. Psychisch beeinträchtigte Menschen dürften nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. (hb)

Stephan Weil u. Sabine Schulz-Rakowski Ginsterhof Foto: S.S.R.

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v.l.n.r.: Dr. Wolfgang Wedel, Nicole Lasser-Becks, Pastorin Anne Rieck, Dr. Jutta Neumann, Stephan Weil, Dr. med. Ute-Christine Haberer, Sabine Schulz-Rakowski, Kathrin Großmann, Dr.med. Olaf Kuhnigk, Dr.med. Helmut Teller
Im Hintergrund v.l.n.r: Dr.med. Florian Ziegler, Dr.med. Peter Baudisch

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