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Landhof Dorfkrug Foto: Regina Buyney

28. September 2022: Brücken bauen für den heimischen Mittelstand

SPD-Landtagskandidatin Sabine Schulz-Rakowski mit Bundesminister Hubertus Heil im Gespräch auf dem „Zum Dorfkrug-Landhof“ in Neu Wulmstorf.

Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil besuchte auf Einladung der SPD-Landtagskandidatin Sabine Schulz-Rakowski den „Landhof“. Der Familienbetrieb „Zum Dorfkrug“ ist bekannt durch sein Spitzenprodukt „Sylter Salatfrische“ und betreibt den Landhof als Hofladen mit Gastronomie. Begleitet wurde Schulz-Rakowski von SPD-Landratskandidat Michael Cramm und Neu Wulmstorfs Bürgermeister Tobias Handtke, der den Minister in seiner Heimatgemeinde herzlich willkommen hieß.

Landhof Dorfkrug Foto: Regina Buyney
v. l. Sabine Schulz-Rakowski, Lea Hauschild, Hubertus Heil, Thomas Hauschild, Michael Cramm

Unternehmer Thomas Hauschild nahm die Gelegenheit wahr, auf einem Hofrundgang nicht nur seinen landwirtschaftlichen Musterbetrieb vorzustellen. Er schilderte Minister Heil auch die aktuellen Herausforderungen für sein mittelständisches Familienunternehmen. Dieser zeigte sich beeindruckt von dem Zusammenspiel regionaler Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten mit der Vermarktung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. Nachdenklich wirkte er bei Hauschilds Schilderung in Bezug auf die Auswirkungen der aktuellen Energiekrise. Schon während der Coronazeit habe der Betrieb einiges intern ausgleichen müssen, so Hauschild. Er beschrieb, dass sich das gastronomische Personal seines Landhofs plötzlich an ganz anderen Stellen im Betrieb einbringen musste. Das habe auch gut funktioniert, sagte er und fügte lachend hinzu: „Andere Unternehmer geben viel Geld für Teambuilding aus. Wir haben mit dem unvorhergesehenen Einsatz ganz einfach die Bindung an unseren Betrieb gestärkt.“ Fachkräfte sichern könne man aber nur, wenn die Unternehmensleitung den Wert ihrer Beschäftigten erkenne. Die größere Baustelle seien derzeit die Auswirkungen von Lieferengpässen und Energiemangel. Der Betrieb werde derzeit auf Biogas umgestellt. Die Lieferzeiten für die dafür benötigten Anlagen, wie der Brenner, seien sehr lang. Zufällig gebe es einen Landwirt, der einen entsprechenden Brenner erworben hatte, ihn nun aber nicht mehr brauche, so dass Hauschild diesen übernehmen könne. „Irgendwie macht es schon manchmal den Eindruck, als ob wir zu einer Art Tauschwirtschaft zurückkehren“, fügte er mit Augenzwinkern hinzu. Auch die Herstellung der Glasflaschen, die für die Landhofprodukte als Verpackung zum Einsatz kommen, haben einen hohen Energiebedarf, so dass man Engpässe befürchte.

Landhof Dorfkrug Foto: S.S.R.

In Bezug auf die Energieversorgung habe die Bundesregierung erkannt, so Heil, dass hier sogar in die Preisfindung eingegriffen werden müsse. Weder dürfe die Politik es zulassen, dass Putin mit seiner Kriegsplanung durchkomme, noch dass ein Energiemangel die Gesellschaft spalte. Deshalb setzten er und seine Kabinettskollegen derzeit alles daran, die Energiepreise zu stabilisieren und die Laufzeiten für Lieferverträge zu verlängern. Er lobte den neuen Kontakt zu Kanada als Energielieferant: „Kanada hat alles, was Russland auch hat, nur leider keine Pipeline.“

Lanfhof Dorfkrug Foto: S.S.R.

Hubertus Heil stellte viele gezielte Fragen zur finanziellen und sozialen Situation des Betriebes. So gehe es ihm als Arbeits- und Sozialminister bei den Energiefragen auch darum, die Versorgung der Bevölkerung durch bezahlbare Lebensmittelpreise zu sichern. Bei dem Blick auf die Kunden sehe er seine Aufgabe darin, die Kaufkraft der Bevölkerung zu stabilisieren – nur dann könne es auch der Wirtschaft weiterhin gutgehen. Die Möglichkeit für Unternehmen, ihren Beschäftigten eine steuerfreie Zuwendung von 3.000 Euro zukommen zu lassen, sei einer der Vorschläge. An der mittelständischen Wirtschaft müsse die Politik unbedingt ein strategisches Interesse beibehalten. Es sei erforderlich, auch hier abfedernde Maßnahmen vorzusehen. Für ihn als Arbeits- und Sozialminister sei die große aktuelle Sorge, dass die Menschen in Deutschland zusammenhalten. „Dafür müssen wir in der Politik die Brücken bauen, über die sie gehen mögen.“ Sabine Schulz-Rakowski kommentierte diese zuversichtliche Aussage: „An dieser Stelle kommen wir im Bundesland mit aufs Spielfeld; denn die Landespolitik regelt sehr viele der Politikbereiche, die das tägliche Leben der Menschen betreffen.“

Landhof Dorfkrug Foto: S.S.R.

Beim Hofrundgang beschrieb Thomas Hauschild den prominenten Gästen seinen Geschäftsgrundsatz des qualitativen Umgangs mit regionalen Produkten. Er sei stolz auf seine „Landwirtschaft zum Angucken“. Mit der Öffnung des Landhofs will er auch andere für ähnlich nachhaltige Herstellungsmethoden und regionale Vermarktung gewinnen. Auf dem Vorzeigehof kann man die Kühe in einem sehr geräumigen Stall beobachten, der „größer ist als von der Bioverordnung vorgegeben“, erklärte Hauschild. Selbstverständlich hätten die Tiere jederzeit den für Kühe naturgemäßen Zugang zu einer frischen Weide. Technisch ausgefeilt ist das automatische Melksystem, bei dem jede Kuh mittels Transponder selbst bestimmt, wann sie in den automatischen Melkstand geht. In der Wartezeit lässt sie sich das Fell elektrisch bürsten.

Die Kühe werden hier nicht zum Selbstzweck gehalten, sondern liefern qualitativ hochwertige Milch für die Produktion. „Die großzügige Tierhaltung und das Tierwohl ist ein Kern unserer Qualitätsstrategie“, stellte Hauschild zur Wirtschaftlichkeit fest.

Der Landhof hält zudem die bunten Bentheimer Schweine und die Texas Longhorn Rinder, die ebenfalls mit viel Grün aufwachsen, um regional vermarktet zu werden. Als gelernter Koch sieht Hauschild das so: „Nur wenn man was Gutes hineintut, kann auch etwas Nachhaltiges dabei herauskommen.“

Der Abschluss des Gesprächs fand bei einer Tasse Kaffee und der Verkostung einiger hofeigener Produkte statt. Abschließend beschrieb Minister Heil seinen Eindruck derartig, dass im Hauschildschen Betrieb viel Begeisterung erkennbar sei, so dass der Inhaber sicher optimistisch bleiben könne. (hb)

Landhof Dorfkrug Foto: S.S.R.

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